Mittelalterlicher Glashüttenplatz in der Gemarkung Wenzen gefunden

Im Verlaufe einer Geländebegehung im Bereich der Wüstung “Hassel-born“ in der Gemarkung Wenzen fand der Ortsheimatpfleger Konrad Göttig eindeutige Hinweise auf den Ort einer mittelalterlichen Glashütte. Grünliches und gelblich gefärbtes Waldglas, Holzkohlereste und Schlacken sowie mittelalterliche Keramikscherben kennzeichnen den Platz früher Glasherstellung (vgl. Kartenausschnitt). 

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass dieser Platz heute nicht im Wald liegt, sondern in der freien Feldflur, unweit der Straße nach Bartshausen bzw. in unmittelbarer Nähe der alten Fernverkehrsstraße von Einbeck nach Hameln (heute der “Baumweg“ in der Wenzer und Eimener Gemarkung). Erste Vermutungen über eine Glashütte ergaben sich aus dem Wüstungsnamen “Hasselborn“, der in der Karte des Landes Braunschweig aus dem 18. Jahrhundert, Blatt 4124 Dassel, auftaucht.

 Feldbegehungen im direkten Bereich des mit diesem Namen belegten Flurstückes ergaben jedoch keine Hinweise auf eine mögliche Dorfstelle. Die Flurnamenforscher sind sich einig darüber, dass nicht nur Flurbezeichnungen mit “Glas -„ und “Hütt -„ auf die frühe Wirtschaftsform der Glasmacherei schließen lassen. Auch Namensbestandteile wie “Rohr -„ “Kolb “Has -„ und “Hes -„ weisen auf das Glashandwerk hin. Darüber hinaus zeigt die Sollingkarte von 1603 eine Glashütte bei “Hasselborn“, etwa 8km östlich von Höxter. Es ergibt sich eine Namensgleichheit mit dem Flurort in Wenzen.

Urkundlich ist eine Glashütte in diesem Bereich des Elfasrandes offensichtlich nicht erfasst, auch in der dörflichen Überlieferung gibt es keine Anhaltspunkte für das Wissen um eine Glashütte im Weichbild Wenzens. Aus dem Hils hingegen sind zahlreiche Plätze ehemaliger Glasherstellung bekannt, so zum Beispiel die spätmittelalterlichen Glashütten bei Grünen plan, die Farbgläser herstellten, die Hütten von Kaierde und Stroit. In örtlicher Nähe zu den Funden von Glasresten, Holzkohle und Schlacken wurden auch Keramikscherben aufgefunden, deren zeitliche Stellung noch genauer bestimmt werden muss. Damit hätte man dann auch einen Anhaltspunkt für das mögliche Alter der Glashütte am Elfasrand.
 

Grundvoraussetzungen für die Glasherstellung waren Holz für die Aschegewinnung und als Brennmaterial, daneben Sand für die Glasmasse und Ton für die Schmelzgefäße. Im Bereich der mutmaßlichen Hasselborner Glashütte bei Wenzen war Holz, vor allem Buche, reichlich vorhanden. Dafür sprechen Flurbezeichnungen in unmittelbarer Nähe wie zum Beispiel “In den Heine Büchen“. Quarzhaltige Sande waren vorhanden, auch Ton für die Herstellung von Schmelzgefäßen war verfügbar. Tertiäre Tone stehen nördlich von Vardeilsen und bei Portenhagen an. Wichtigster Standort -faktor war jedoch die ausreichende Versorgung mit Holz.

Das in Wenzen gefundene Glas hat eine grüne bis gelbliche Färbung ‚ wofür offensichtlich Eisenoxidanteile aus dem Sand und der verunreinigten Asche verantwortlich sind. Dieses Glas wird charakteristischerweise Waldglas genannt. Interessant ist die Lage der mutmaßlichen Hütte von Hasselborn in Bezug zu den Fernverkehrswegen. Unweit des Platzes verlief die Einbecksche Hauptstraße, die Teil eines überregionalen Fernverkehrsweges gewesen ist. Zumindest in der frühen Neuzeit war Holland Hauptexportgebiet für das Glas aus dem südniedersächsischen Raum.

Um den Absatz mussten sich die Glasmacher selbst kümmern, indem sie Bestellungen von Zwischenhändlern oder Großabnehmern aufnahmen. Über das Personal einer Glashütte fehlen für Südniedersachsen detaillierte Angaben, doch schließt man aus Vergleichen mit Ostwestfalen auf möglicherweise 20 bis 30 Personen auf der Hütte, inklusive Familienangehörige. Zumindest im Solling wohnten die Glasmacher mit ihren Familien bei den Hütten und blieben dort auch im Winter, wenn kein Glas produziert wurde. Der Winter war die Zeit des neuen Holzeinschlages.

Das von der Wenzer Glashütte bei Hasselborn die Überlieferung fehlt, kann auch ein Hinweis darauf sein, dass es sich dabei um eine Wanderglashütte gehandelt hat, die schon nach relativ kurzer Zeit wieder aufgegeben worden ist. Weitere Untersuchungen des Gebietes werden erfolgen.

© Wenzen, den 19.2.1998 - Der Ortsheimatpfleger - Konrad Göttig