Anekdoten + Karten

Der Ängstliche: In Wenzen lebte einmal ein sehr ängstlicher Mann. Eines Tages holte er einen Sack Mehl vom Mühlenberg. Es war schon Abend und der Mond leuchtete hell und klar vom Himmel. Der Schatten des Mannes fiel lang vor ihm hin. Als der Mann ihn bemerkte, erfasste ihn eine furchtbare Angst, denn er glaubte, es wäre der Teufel, der ihm im Nacken säße. Angsterfüllt warf er seinen Mehlsack auf den Schatten und rief: “Da, Duiwel, hest’ne!  Und er rannte schreiend davon.


Derselbe Mann ging nur in Begleitung seiner Frau zum Austreten, da er von solcher Angst erfüllt war. Eines Abends,  als diese ihn wieder auf dem stillen Örtchen bewachte, sagte sie so vor sich hin : “Am Himmel stat söo viele Stern!“ Der Mann auf dem Örtchen in seiner Angst verstand jedoch: “Se kummet all up Peerd’n!  Er raffte seine Hosen zusammen und lief eilends ins Haus zurück.


Ein Wenzener Neujahresbrauch: Bis etwa 1885 war es in Wenzen so, dass in der Neujahrsnacht der Nachtwächter in Begleitung vieler junger Leute und einem Bläser ab 24 Uhr vor jedes Wohnhaus marschierte - beim Pfarrhaus angefangen - und jedem einzelnen Anwohner Glück für das neue Jahr gewünscht wurde. Dabei trompetete der Bläser zweimal und der Nachtwächter rief laut: “Eck wünsche ein fröhlich glückselig niet Jahr, Gesundheit, langes Leben, Fried und Einigkeit, ewige Seligkeit, alles, watt nütt‘ un gaut is“. Der Trompeter stieß dann erneut ins Horn und derselbe Wunsch wurde für jede Person im Haus der Reihe nach nochmals ausgesprochen. Oft musste dies mehr als 12 mal geschehen. Bei mehr als 150 Familien im Dorf wurde kaum eine Person vergessen. Geschah dies doch einmal, so wurde dies von dem Betroffenen sehr übel vermerkt. Das Wünschen dauerte naturgemäß bis in den Morgen.

 

War dann der notwendige Schlaf nachgeholt, wurde bei den Bauern und Bürgern gesammelt. Der Nachtwächter ging mit Sack und Kiepe von Haus zu Haus und jede einzelne Person, die er beglückwünscht hatte, war ihm “tributpflichtig“. Die Bauern bezahlten meist mit Naturalien, andere gaben eine entsprechende Summe Geld. Die Sammlung erbrachte für den Nachtwächter unter dem Strich weit mehr ein, als sein eigentliches Jahresgehalt von 81 Mark. Mit dem Tod des alten Nachtwächters ist der Brauch eingeschlafen.

 

Das Hochwasser: Im Jahre 1886 führte der Hillebach sehr starkes Hochwasser. Dabei wurde ein Hackeklotz von Küster hinter dem Wasser fortgeschwemmt. Der Besitzer machte sich auf, um ihn zu suchen. Dabei ging er nicht der Strömung des Baches nach, sondern schlug den entgegengesetzten Weg nach Eimen ein. Unterwegs traf er einen Bekannten, der ihn fragte, was er suche. Der alte Küster antwortete: “Eck seuke meinen Hackeklotz, da mek weggeswommen is !“Der andere erwiderte: “Da möst dui doch na un gahn!“ “Jau“. sagte der alte Küster, “dad is woll richtig. Aber main Hackeklotz is ne ganzen wiersinnigen!“


 

Der Schornsteinfeger auf dem Fahrrad: Es war in der Zeit, als die ersten Fahrräder aufkamen und auch unser Dorf Wenzen erreichten. Auch unser Schornsteinfeger hatte sich ein solches neumodisches Gefährt besorgt. Er musste bergauf tüchtig treten, bergab aber konnte er nicht bremsen, und so flog er jedesmal mit großer Geschwindigkeit in die Arme des Strohbundes, das ihm seine Frau zum Bremsen hingelegt hatte. Schon wenn er den Berg hinunter kam, riefen alle Kinder laut: “Ha kümmt !“

 

Das erste elektrische Licht in Wenzen: Es war im Jahre 1923, als das elektrische Licht in Wenzener Haushalten Einzug hielt. Im Wielertschen Saale wurde aus diesem Grunde ein großer “Lichterball“ gefeiert. Jeder wartete gespannt auf den Augenblick, in dem das elektrische Licht angeknipst werden würde. Nachdem dies geschehen war, versammelten sich alle Ballgäste auf dem Hof der Gaststätte und gruben ein tiefes Loch. In diesem Loch wurden alle Petroleumlampen vergraben. Einer aus der Menge trat schließlich hervor, sprach ein paar salbungsvolle Worte über die guten Petroleumlampen und warf dann seine Lampe in das Loch. Die gesamte Menschenmenge begann dann schauerlich zu weinen und ging schließlich auf den Saal zurück, wo dann ausgelassen gefeiert wurde.

 

Eine wahre Geschichte: Es war Fest in Bartshausen und auch Wenzener nahmen daran teil. Als das Fest zuende war, ging einer der Wenzener Burschen vor und warf sich auf dem Bartshäuser Friedhof ein weißes Bettlaken über, um seine heimkehrenden fröhlichen Kameraden tüchtig zu erschrecken.Als seine Kameraden auf die Höhe des Friedhofes kamen, sahen sie zwischen den Gräbern eine weiße große Gestalt herumgeistern. Das vermeintliche Gespenst legte sich hin, stand wieder auf und näherte sich dabei immer mehr der Eingangspforte des Friedhofes. Die Wenzener Burschen bekamen es doch mit der Angst zu tun und riefen der Gestalt zu: “Lech deck wieher henn !“ Aber die unheimliche Erscheinung kam immer näher. Da suchten sie sich einen Knüppel und nahmen sich vor, das Gespenst gehörig zu verprügeln, sollte es ihnen zu Nahe kommen. Heiner hatte den Mut, das Gespenst anzugreifen. Er verbläute die Gestalt so, dass diese zu jammern anfing und der Bursche sich zu erkennen gab. Lachend über den gelungenen Streich, aber mit einer Anzahl blauer Flecken auf dem Rücken des “Gespenstes“ machten sich die Burschen gemeinsam auf den Heimweg.

 

Der Neugierige: Es war einmal ein sehr neugieriger Mann, der in Wenzen wohnte. Eines Tages taten sich die Wenzener Dorfjungen zusammen und nahmen sich vor, ihm einen Streich zu spielen. Es war an einem dunklen Winterabend als sie diesen Streich ausheckten. Da die Eltern eines der Jungen frisch geschlachtet hatten, füllten sie Blut in einen Darm und machten sich auf den Weg zu dem Haus des Neugierigen. Einer der anderen Jungen hatte sich unterdessen eine Knallkorkenpistole besorgt und so gerüstet, wollte sie dem neugierigen Mitbewohner einen gehörigen Schrecken einjagen. Der Neugierige saß in seiner Stube hinter dem Ofen und grübelte über gehörte Neuigkeiten nach. Die Jungen stellten sich unter das Fenster und riefen ihn heraus: “Unkel, kucke mal !“ Der sprang gleich von seinem Sessel auf und lief zum Fenster. “Wat is denn laus !“ fragte er sofort und lehnte sich weit aus dem Fenster heraus. Darauf hatten die Jungen nur gewartet. Der eine schlug ihm den blutgefüllten Darm ins Gesicht, während gleichzeitig die Knallkorkenpistole losging.Der Neugierige hörte den Knall, sah das Blut und begann fürchterlich zu schreien: “Alwine, kum schnell her, se hett meck schoten!“ Die erschrockene Frau rannte sogleich herbei, sah ihren blutüberströmten Mann und begann ihrerseits laut zu schreien. Durch das Geschrei wurden viele Leute aufmerksam und eilten herbei. Als sie die Bescherung sahen, lachten sie laut über den Neugierigen und seine Frau und sagten: “Warum is hei jümmer seui nieteisch, dat schat ne garnitz !“ Der Neugierige blamierte sich so vor dem ganzen Dorf, und immer wenn die Leute an diese Geschichte denken, müssen sie auch heute noch lachen.

Karten und Downloads zu vorgeschichtlichen Oberflächenfundplätzen

Karte zu Fundplätzen: Karte1 Karte2

Zeitungsartikel aus der Vergangen des Dorfes Wenzen: 1 2 3 4